Paulo Glowacki (PPP): Die USA nach den Wahlen

Unser Stipendiat für das Parlamentarische Patenschaftsprogramm in den USA, Paulo Glowacki aus Eimsbüttel, erzählt von seinen ganz persönlichen Eindrücken aus den ersten Monaten in seinem Gastland unter dem Präsidenten Donald Trump.


Am 8. November hat das Volk der USA einen neuen Präsidenten gewählt.

Dieser neue Mann im Weißen Haus heißt Donald J. Trump, ein Businessmann mit einem milliardenschweren Unternehmen, der nun die Weltmacht USA führen wird. Über die nächsten vier Jahre hinweg wird er die Möglichkeit haben, sich in eine Reihe von außergewöhnlichen Menschen einzureihen, die dieses Land, in dem ich aktuell lebe, geformt und geprägt haben. Niemand hat diesen Ausgang der Wahl vorhersehen können. Alle Umfragen sahen Hillary Clinton als Siegerin der Präsidentschaftswahl – das Problem war, dass die Umfragen sich alle als falsch herausstellten.

Nun ist der neue Präsident schon mehr als einen Monat im Weißen Haus und hat schon viel Aufsehen erregt. Wenn sich Donald Trump in einer Sache zum Sieger krönen kann, dann ist es die Nutzung von Dekreten (die sogenannten Präsidiale Anweisungen). Diese hat er in seinen ersten Wochen mehr als alle anderen Präsidenten vor ihm genutzt – genaugenommen hat er in zehn Tagen zwanzig Dekrete unterschrieben, die bereits große Aufregung ausgelöst haben. Die bisher umstrittenste Handlung: Donald Trump hat Ende Januar ein Dekret unterschrieben, welches Menschen aus sieben muslimischen Ländern bannt und ihnen die Einreise trotz Visa verweigert. Dieses Dekret hat in der Muslimischen Gemeinde und auch bei Austauschschülern, die Muslime sind, große Furcht hervorgerufen. Auch meine Schule ist konkret betroffen, da sich hier eine große Flüchtlingsgruppe aus Myanmar aufhält. Die Chin sind religiöse Flüchtlinge und sind gerne und offen aufgenommen worden, doch mittlerweile dominiert unter ihnen die Furcht, dass sie womöglich wieder zurückgeschickt werden. Auch einige meiner internationalen Freunde hier in den USA sind sehr besorgt über die Situation und die Stimmung in den USA in Bezug auf Muslime.

Dieses Dekret wurde inzwischen von einer Richterin als verfassungswidrig erklärt, Team Trump arbeitet nun an einem neuen und weniger aggressiven Dekret. Es wird wahrscheinlich nicht vor März in Kraft treten, trotzdem bleibt die Angst bei vielen.

Mein Umfeld hier in den USA hat gemischte Gefühle in Bezug auf Trump. Meine Gastmutter, mit der ich viel über Politik spreche, findet, dass er ein „absoluter Idiot“ ist. In meiner Schule kann ich im Kleinen die große Spaltung sehen, die sich quer durch das ganze Land zieht: es gibt Schüler und Lehrer, die zu Recht sehr besorgt sind und sagen, dass Trump nicht im Amt bleiben wird, sie hoffen, dass er abgesetzt wird. Auf der anderen Seite gibt es die Trump-Unterstützer. Diese sind nicht unbedingt mit allem einverstanden, was er tut, sind aber Republikaner und unterstützen daher viele seiner Ansätze. In meiner Stadt gab es bereits eine Anti-Trump-Demonstration beziehungsweise einen Frauenmarsch, so wie in vielen anderen Großstädten in den USA.

Ein anderes Thema, welches mich auch persönlich betrifft und womöglich auch die nächsten Bundestagswahlen in Deutschland beeinflussen wird, sind die Medien und Donald Trumps Umgang mit ihnen. Er bezeichnet jede Presse außer Fox News und Breitbart als Fake News, da sie seiner Meinung nach falsch über seine Regierung und über seine Handlungen berichten und wissentlich Lügen verbreiten. Dieser Konflikt mit der Presse gipfelte am Wochenende damit, dass Trump nicht zum Korrespondenzdinner mit den Medienvertretern erschien und CNN, NBC, New York Times und andere Medien aus einer Pressekonferenz ausgeladen hat. Aus Solidarität erschienen AP und eine andere Nachrichtenagentur auch nicht zum Pressetermin. Dieser Streit ist besonders intensiv und ich empfinde ihn als demokratiegefährdend.

Warum das so ist und wie mich das persönlich betrifft, der ich nun zeitweise die USA als meine Heimat habe? Nun, meine Informationsgewinnung ist sehr viel schwerer. Wenn ich Berichte wie diesen schreibe, muss ich mehrere Medienquellen heranziehen, um sicher zu gehen, dass ich richtige Informationen habe. Ein sehr viel größeres Problem ist, dass die Bevölkerung beginnt, Trump zu glauben. Meine erste Erfahrung dazu machte ich, als ich mit meinem 12jährigen Gastbruder sprach. Ich erzählte ihm von einer der kontroversen Dekrete Trumps und dass ich kritische Einschätzungen auf mehreren Nachrichtenseiten bestätigt bekommen hätte. Er schaute mich an und fragte: „Wo hast du das her?“ Ich antwortete: „CNN“, und er sagte, solange es nicht auf FOX läuft, stimmt das nicht, das sind Fake News.

Das Problem ist, dass Trump die Bevölkerung manipuliert und einfache Leute nicht mehr seriöse und klassische Nachrichten schauen, sondern das, was der Präsident möchte. Mit den sozialen Netzwerken verbreiten sich Fake News sehr schnell und man merkt es nicht, wenn man nicht alle Nachrichten genau überprüft.

Für mich, der nun in einem Land mit einer neuen Regierung in einem komplett anderen Regierungsstil lebt, ist es sehr interessant zu sehen, wie die Menschen reagieren und was passiert. Ich erlebe eine historische Phase hier in den USA. Ich bin der Meinung, dass es eine Ehre ist, als Austauschschüler in diesem Land zu leben und zu sehen, wie sich Dinge verändern.

Wir Europäer mögen uns sehr viele Sorgen um den Präsidenten Donald Trump mache, aber aus meinen Erfahrungen hier möchte ich allen sagen: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine der stärksten Nationen dieser Erde und die meisten Menschen, die ich hier kennengelernt habe, wollen sich nicht abschotten. Die Amerikaner sind ein äußerst offenes und nettes Volk – leider werden diese Eigenschaften im Moment nicht repräsentiert, aber ich erlebe es hier jeden Tag aufs Neue.

Ich hoffe, dass Europa, Deutschland und die USA weiter zusammenarbeiten, damit das Wohl der Weltbevölkerung nicht gefährdet wird. Einen Rückschritt in den Beziehungen zwischen unseren Ländern können wir uns nicht erlauben; es gibt drängende Probleme zu lösen, die jede und jeden auf dieser Welt betreffen und deren Lösungen ohne die diplomatische Zusammenarbeit der größten Mächte nicht möglich sind.

 



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